Von Eschenlohe über das Estergebirge nach Garmisch-Partenkirchen

Blick von der Hohe Kisten im Estergebirge zum KrottenkopfZwölf Stunden, vier Gipfel, 2.100 Höhenmeter – auf diese Variante beschränkten wir uns bei der Überquerung des Estergebirges von Nord nach Süd. Beschränken bedeutet, dass noch ein paar Gipfel mehr am Wegrand gewesen wären. Aus einer Vier-Gipfel-Tour, die es für uns war, könnten Berg-Freaks auch neun machen. Aber irgendwann ist es auch gut und die Blicke der meisten Leute, denen man danach von der Tour berichtet, bedeuteten eh: Habt Ihr eigentlich einen Knall?

Es ist eine großartige Überschreitung, die im Werdenfelser Land direkt vor unserer Haustür liegt. Wanderbücher empfehlen, sie auf zwei Tage aufzuteilen. Kann man schon machen, die wunderbare Weilheimer Hütte ist ideal für eine Nächtigung zur Halbzeit. Man hat viel mehr Zeit für alles, kann genießen und es gibt eine Menge zu schauen. A Traum…

In Eschenlohe geht es los und zuerst steigt man manchmal schattig ein paar Stunden lang hinauf zur Hohen Kisten. Erst durch das überraschend schöne Pustertal und auf den letzten Minuten öffnet sich plötzlich das Breitwandpanorama des Estergebirges. Oberes Michelfeld und Angerlboden nennt sich die Landschaft hier, eine entrückte Hochebene auf über 1.500 Metern (Foto oben).

Gemütlich läuft man weiter Richtung Weilheimer Hütte, den Krottenkopf immer im Blick. Dann die Frage, die sich wahrscheinlich die meisten stellen: Erst gemütliche Einkehr oder lieber doch hinauf zum Gipfel? Völlig wurscht, denn: In knapp 20 Minuten ist man oben am mit 2.086 Metern höchsten Punkt des Estergebirges und die guade Erbsensuppn, die gibt es auch noch, wenn man wieder zurück ist. Ein gemütliches Hütterl ist das, viel Komfort gibt es keinen, dafür nette Leut, wobei nicht viel los ist, dazu liegt die Weilheimer Hütte mit Minimum drei Stunden Zustieg, egal von woher man kommt, einfach etwas zu weit weg.

Weilheimer Hütte im Estergebirge

Nächster Gipfel: Der Bischof. Er gibt sich ein wenig tricky. Schön wäre es, wenn man ihn auf dem Weiterweg einfach überschreiten könnte. Aber ein markierter Weg von Norden ist nicht vorhanden und fragt man den freundlichen Wirt, so rät er vorbildlich davon ab, den vorhandenen Steigspuren vom Henneneck aus zu folgen. Recht ausgesetzt sei es, nicht schön. Zwei Buam (Buben), die wir trafen, winkten ab: Das gehe schon, meinten sie. Wir Schisser rutschten dagegen über den erstaunlich schmierigen Normalweg am Himmel über Oberau um den Bischof herum, um ihn dann von Süden steil aber einfach zu besteigen. Sieben Stunden waren wir jetzt unterwegs, da merkt man die Füße zum ersten Mal.

Auf dem Krottenkopf im Estergebirge

Schnell geht es vom Bischof hinüber zum Fricken. Sieht man auch auf dem Bild oben: Der Bischof ist direkt über Annas Kopf und der Fricken liegt eine Handbreit links daneben. Nur eine Stunde braucht man, um auf dem Gipfel Nummer 4 zu stehen. Und um zum ersten Mal das schöne Garmisch-Partenkirchen zu erblicken. Recht steil und ein wenig nervig geht es von hier hinunter, am Ochsenberg vorbei auf die Fahrstraße, die zur Esterbergalm führt.

Esterbergalm im Estergebirge

Wank oder nicht? Das war die letzte Frage an diesem Tag. Wir entschieden uns dagegen,  besuchten lieber die idyllisch (ab-)gelegene Esterbergalm. Hier gibt es ein verdientes Radler oder gleich ein Schnappserl gegen die penetranter werdenden Schmerzen in Knie und Schenkel. Eineinhalb Stunden dauert’s von hier nach Partenkirchen.

Das Fazit dieser sehr besonderen Tour: Es sind definitiv 2.100 Höhenmeter hinauf und wieder hinab. Nicht weniger. Das ist mehr als ordentlich an einem einzigen Tag. Zwei oder drei Mal packt einen deshalb unterwegs auch etwas die Unlust. Man sollte darum lieber auf der Weilheimer Hütte übernachten. Erstens ist es da schön, zweitens hat man mehr von der ganzen Überschreitung, drittens kann man den Wank dann auch noch gut packen und viertens haben sie das Klo irgendwann in den letzten zehn Jahren von vor der Hütte in die Hütte hinein verlegt, was sehr angenehm ist.

Vor Sommer ist die Tour nix. In höheren Passagen liegt noch Altschnee rum, der einen nervig behindern kann und die Tour zeitlich noch mehr verlängert. An einem schönen Septembertag wie heute ist sie dagegen einfach nur der reine Wahnsinn.

Einige handgestoppte Gehzeiten:

  • Eschenlohe – Hohe Kisten: 3 Stunden
  • Hohe Kisten – Weilheimer Hütte: 50 Minuten
  • Weilheimer Hütte – Krottenkopf: 20 Minuten
  • Weilheimer Hütte – Bischof (von Süden): 1 Stunde 40
  • Bischof – Hoher Fricken: 1 Stunde
  • Hoher Fricken – Esterbergalm: 1 Stunde 10
  • Esterbergalm – Partenkirchen: 1 Stunde 20

 

 

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Über knurre

Bin bergsüchtig, ist aber nicht schlimm.
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