Fernwanderung 2016: Vom Rifugio Malghera zur Alpe San Romerio (Tag 7)

Alpe San Romerio

Eigentlich hätten wir die Schweiz gerne vermieden. Nicht weil es dort nicht schön ist, ganz im Gegenteil, sondern weil wir auf einer Fernwanderung gerne unser Geld weitgehend zusammenhalten und zumindest für eine Übernachtung nicht gleich einhundert oder zweihundert Euro bezahlen möchten. Dennoch: Eine Nacht ließ sich routentechnisch nicht vermeiden. Dabei hatten wir letztlich Glück: Wenn schon eine Nacht in den Schweizer Bergen, dann sollte man dafür die Alpe San Romerio besuchen. Aber erstmal mussten wir von der Lombardei hier herüber. Dies erwies sich als mühsam.

An sich gibt es nur einen halbwegs direkten Weg, der von der Rifugio Malghera hinüber in die Schweiz führt. Dieser geht über den Lago di Malghera hinauf zur Forcella di Sassiglion. Von dort dann einfach und schnell hinab ins Graubündische. Jeder Wanderer geht diesen Weg. Jeder, der keine Kompass-Karte benutzt. Wir benutzten eine Kompass-Karte. Deshalb gingen wir ihn nicht. Das war dumm.

Eben wegen dieser Kompass-Karte entschieden wir uns für einen andere Route: Sie sollte uns ziemlich direkt auf die Baitta di Braga auf 2.570m führen. Passo di Pedruna heißt das hier oben auch. Ein gestrichelter Weg, also ein relativ einfacher Pfad. Das Problem: Dieser wird offensichtlich schon seit Jahren nicht mehr gepflegt. Jeder Einheimische scheint das zu wissen. Nur diese dämliche Kompass-Karte zeigt ihn als intakt an. Die Karte war relativ neu. Die Folge: Wir verloren immer wieder den Weg und marschierten zum Teil weglos steil hinauf zum Pass

Bis dorthin war das noch machbar, richtig unangenehm wurde es auf der anderen Seite hinab nach Braga: Man steht dort oben hoch überm Poschiavo Tal, hat einen Traumblick über See und Berge, nur der Weg nach unten ist weg. Stattdessen: Ein Abgrund, völlig mit Gras zugewachsen, unzugänglich steil, immer wieder große Orientierungsprobleme bereitend. Letztlich kamen wir mit viel Glück herunter. Abenteuer, auf die man verzichten kann.

Danke, Kompass. Eine Riesen Scheiße ist das, die Ihr uns an diesem Tag da eingebrockt habt. Ich habe mittlerweile gut 1.000 Bergtouren gemacht und dabei unzählige Karten verwendet. Vom Erwerb von Kompass-Karten möchte ich hiermit abraten. Man tut sich nichts Gutes damit. Wenn man nur schnell mal den Weg um den See oder über ein paar kleine Hügel sucht, sind sie wahrscheinlich praktikabel. Für die alpine Anwendung jedoch sind diese Karten ungeeignet. Sie beinhalten immer wieder zum Teil wirklich massive Ungenauigkeiten und Fehler, die ich in dieser Fülle bei anderen Herstellern bisher nicht bemerkt habe.

Nach sieben Stunden erreichten wir glücklich die Alpe San Romerio. Diese wird vom einmaligen Gino Bongulielmi und seiner Familie bewirtschaftet. Der Mann ist ein Tausendsassa, freundlich und sehr sympathisch. Er selbst nennt das hier das kleine Paradies im großen Paradies. Wir gaben ihm Recht: Die Lage hier oben, fast 1000 Meter über dem Lago di Posciavo, direkt neben der malerischen alten Kirche ist überwältigend (siehe Foto). Auch die Unterkunft bei Pino ist ein Traum: Tolle Zimmer, hervorragende Küche, zwar etwas teuer (wir sind in der Schweiz!) aber jeden Franken wert.

Die Tagesetappe im Überblick:

  • Samstag, 30. Juli 2016
  • Start: Rifugio Malghera, Val Grosina occidentale, Lombardei (1.964m)
  • Ziel: Alpe San Romerio, Val Poschiavo, Graubünden (1.794m)
  • Wegverlauf: Baite Grasse di Pedruna – Baita di Braga/Passo di Pedruna – Braga
  • Dauer inklusive Pausen: 7 Stunden
  • Aufstieg: 750 HM – Abstieg 900 HM
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Auf dem Daniel in Tirol

Blick vom Daniel in Tirol zur Zugspitze

Von Garmisch-Partenkirchen aus sieht man bergmäßig ja vor allem eins: Das Wettersteinmassiv mit der Alpspitze und den Waxensteinen. Schaut man dagegen mal nach rechts in Richtung Westen, leuchtet an manchen Tagen ein schöner, alleinstehender Gipfel von weit herüber. Das ist der Daniel in Tirol.

Eine Tour dort hinauf gehört zu den schönsten Bergwanderungen in unserer Region. Es gibt verschiedene Varianten. Wir entschieden uns für den Weg zur Tuftlalm und von dort weiter zum Grünen Upps, weiter zur Uppsspitze und schließlich zum Gipfel des Daniel auf 2.340 Metern Höhe. Knapp sechs Stunden waren wir ohne Pause unterwegs. Etwa 1.400 Höhenmeter im Aufstieg sollte man dabei konditionell wegstecken. Schwierig ist es nicht, allein der Übergang am Grat zum Daniel erfordert ein klein wenig Trittsicherheit.

Das Bild wurde an der Uppsspitze aufgenommen. Die beiden Bergsteiger befinden sich auf dem Gratweg hinüber zum Daniel. Der Gipfel befindet sich direkt über den beiden. Zentral im Hintergrund die Zugspitze, etwas rechts davon die Hohe Munde und die Mieminger Kette. Unten im Tal erkennt man den Ort Ehrwald.

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Fernwanderung 2016: Von Eita zum Rifugio Malghera (Tag 6)

 

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Um von der wunderbaren Unterkunft in Eita zum Rifughio Malgheira zu gelangen, gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann entweder im Uhrzeigersinn um den fast 3.000 Meter hohen gletscherlosen Sasso Campana wandern, dabei bliebe man jedoch immer nur am Rand dieses Teil der Livigno Alpen, in der Nähe der Straße. Oder man geht einfach quer durch. Das ist dann die hochalpine Variante. Diese wählten wir.

Am Morgen nach dem Start trifft man noch vereinzelt auf Menschen, dann aber ist für die nächsten sieben Stunden Schluss mit den Möglichkeiten sozialer Kontakte. Denn wer von Eita aus Richtung Vermolera Almen abbiegt, ist vermutlich Fernwanderer. Der Sentiero verläuft hier und natürlich auch die Via Alpina.

An den Laghi di Tres lässt es sich nach zwei Stunden wunderbar pausieren. Der gemütliche Teil der Tour endet nun jedoch. Unangenehm steil und oft weglos kämpft man sich von hier die nächsten zwei Stunden zum einsamen Passo di Vermolera auf 2.732 Meter Höhe hinauf. Hier oben ist nichts (siehe Foto oben). Ein altes Schneefeld, Steinwüste, etwas Gras, keine Menschen oder Tiere. Dafür tiefhängende Wolken, die uns den Blick auf die Dreitausender der nahen Umgebung nahmen.

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Zum Abstieg wurde es freundlicher, auch die Wege besserten sich, die Sonne kam heraus. Nach eineinhalb Stunden erreicht man eine kleine private Hütte, die offen steht und für den Notfall als Unterstand dienen könnte. Von hier in einer knappen Stunde hinab ins Valle di Sacco und weiter zur sehr schön neben einer Kirche gelegenen Malghera Hütte.

Da man aus dem Valtellina hier auch mit dem Auto super heraufkommt, war die Bude am Freitag Abend mit einer Familienfeier voll. Das große Rifughio Malghera ist dabei weniger eine Berghütte, viel mehr ein rustikales Albergo. Wir schliefen allein im großen Zimmerlager. Die Pizzoccheri waren – wie fast überall in der Lombardei – einfach nur köstlich.

Die Tagesetappe im Überblick:

  • Freitag, 29. Juli 2016
  • Start:Rifugio Eita, Val Grosina, Lombardei (1.703m)
  • Ziel: Rifugio Malghera, Val Grosina occidentale, Lombardei (1.964m)
  • Wegverlauf: Vermolera Almen – Laghi di Tres – Lago Venere – Passo di Vermolera – Casera di Sasso
  • Dauer inklusive Pausen: 7 1/2 Stunden
  • Aufstieg: 1.100 HM – Abstieg 850 HM
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An einem Tag durch das Reintal auf die Zugspitze

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An nur einem Tag auf die Zugspitze und technisch schwierig soll es auch nicht sein? Geht das überhaupt? Die Antwort lautet: Ja! Man sollte aber mehr als 2.000 Höhenmeter im Aufstieg konditionell wegstecken und zumindest ein klein wenig schwindelfrei sein. Passt das, so steht der Eroberung von Deutschlands höchstem Gipfel als Tagestour nichts im Weg.

Etwas über acht Stunden inklusive Pause benötigten wir an einem föhnigen Oktobertag von der Skisprungschanze in Partenkirchen bis zum Gipfelkreuz der Zugspitze. Noch vor Sonnenaufgang passierten wir die Partnachklamm. Ohne Stirnlampe haut man sich hier im Dunkeln gnadenlos den Kopf an. Eine Regenjacke ist dagegen entbehrlich: Im Gegensatz zur Höllentalklamm bleibt man in der Partnachklamm meist trocken.

Die Dämmerung setzte ein, das obere Reintal war erreicht. Die erste Station ist die Bockhütte, sie taucht nach zwei Stunden auf. Weitere eineinhalb Stunden später erreichten wir die herrlich einsam gelegene Reintalangerhütte. Zumindest an einer Tasse Kaffee führt hier, auch für den eiligen Touristen, kein Weg vorbei: Köstlich.

An der Knorrhütte im Reintal

Der Weg durch das sehr idyllische Reintal erscheint wie ein Traum. Mit jedem Kilometer den man weiter vorankommt, wird es noch schöner und imposanter. Fast dreitausend Meter hoch sind die Gebirgszüge des Wettersteins, die das Tal von Nord und Süd begrenzen. Aus gutem Grund zählt das Reintal gemeinsam mit dem Wimbachtal bei Berchtesgaden zu den großen, beeindruckenden Tallandschaften in den bayerischen Alpen.

Bis zum Reintalanger ist die Tour eine sehr gemütliche Wanderung. Erst auf dem Weiterweg zur alpin gelegenen Knorrhütte (Bild oben) fängt es an, steiler und auch felsiger zu werden. An der Knorrhütte trifft man vermehrt auf andere Wanderer, die meisten kommen zu Fuß vom Sonnalpin herunterspaziert, ein paar andere steigen von Ehrwald in Tirol über das felsige Gatterl und den Plattsteig herüber.

Durch eine steinige Landschaft geht es auf dem Zugspitzblatt hinauf zum Gletscherbahnhof SonnAlpin. Die Touristendichte nimmt nun stark zu, denn dieser Ort läßt sich kinderleicht per Seilbahn oder Zahnradbahn erreichen.

Das letzte Teilstück bis zum Gipfel ist das Kniffligste. Erst geht es fast weglos ein steiles Geröllfeld hinauf, das viel Kraft und ein wenig Nerven kostet. Ist dieses überwunden, schließt sich ein gesicherter Steig an, der an Stahlseilen entlang auf den Grat zwischen Zugspitze und Schneefernerkopf leitet. Hier ist es immer wieder leicht ausgesetzt, was den Bergsteiger aber nicht kümmert, den Bergwanderer dagegen ein oder zwei Mal ein wenig erschreckt. Aber ernst wird es hier nie.

Gipfelkreuz der Zugspitze

Am Gipfel der Zugspitze wie erwartet der Massen-Tourismus, der einem ein Gipfel-Gefühl nicht gestattet. Anstehen an der Leiter zum Kreuz hoch, dabei immer umringt von dutzenden Arabern, Chinesen, kleinen Kindern, Halbschuhtouristen bis hin zum Jubigrat-Geher: Am Kreuz ist alles vertreten.

Die Tour durch das Reintal auf die Zugspitze ist äußerst lohnenswert und zählt für mich zu den besten Wanderungen, die man in den bayerischen Bergen unternehmen kann. Die meisten werden dabei auf der Reintalangerhütte übernachten, was eine gute Idee ist, wobei man, was man so hört, auf der Knorrhütte wesentlich komfortabler unterkommt.

Von Garmisch-Partenkirchen durch das Reintal auf die Zugspitze:

  • 21 Kilometer Länge
  • 2.280 Höhenmeter bergauf
  • 8 Stunden 15 Minuten inklusive Pausen
  • Wegverlauf: Schanze – Partnachklamm – Bockhütte – Reintalangerhütte – Knorrhütte – Sonnalpin

Unsere Gehzeiten (ohne Pause):

  • Partenkirchen (Schanze) – Bockhütte: 2 Stunden
  • Bockhütte – Reintalangerhütte: 1 Stunde 20
  • Reintalangerhütte – Knorrhütte: 1 Stunde 20
  • Knorrhütte – SonnAlpin: 1 Stunde 15
  • SonnAlpin – Zugspitze (Gipfel): 1 Stunde 15

 

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Fernwanderung 2016: Vom Lago di Cancano nach Eita (Tag 5)

In der Nähe von Eita, Lombardei

Ruhig und gar nicht anstrengend vollzieht sich für den Wanderer der Übergang aus dem Nationalpark Stilfser Joch in die Livigno Alpen. Die heutige Etappe, mit knapp acht Stunden Dauer recht passabel, folgt durchgängig der Via Alpina. Kurz nach dem Start am Ristoro Monte Scala passiert man den kleinen Lago delle Scale, der sich zumindest um diese frühe Zeit noch sehr idyllisch gibt, um kurz nach dem Torre di Fraele, die um die kommende Mittagszeit dann sicher stark von Ausflüglern frequentierte Autostraße zu verlassen. Kurze Blicke nach Bormio tun sich auf, während man auf Forstwegen hoch über dem Tal den kleinen Ort Valdidentro passiert.

Am Hotel Viola bei Arnoga trifft man ein letztes Mal kurz auf die Straße, bevor es dann über vier Stunden durch das enorm schöne, erstaunlich einsame Val Verva (siehe Bild oben) über den gleichnamigen Passo di Verva (2.301m)  zum Tagesziel Eita mit seinem markanten Kirchturm geht.

Rifugio Eita, Lombardei

Das Rifugio Eita ist eine herrliche Unterkunft, die einem fast wie am Ende der Welt gelegen erscheint. Die Zimmerlager sind alt, die Steckdosen gehen nicht, das Essen dafür köstlich und der Rotwein im Halbpensionspreis selbstverständlich inbegriffen. Die sympathische, lustige Wirtin lädt einem das Handy auf – sofern der Strom mal geht – und scherzt, warum man die Zwei-Liter-Flasche Wein zu zweit eigentlich nicht schafft. Tipicamento tedesco. Ein toller Aufenthalt, hier wollen wir gerne wieder zurück.

Die Tagesetappe im Überblick:

  • Donnerstag, 28. Juli 2016
  • Start:Rifugio Monte Scale am Lago di Cancano, Lombardei (1.900m)
  • Ziel: Rifugio Eita, Val Grosina, Lombardei (1.703m)
  • Wegverlauf: Torri di Fraele – Arnoga – Casina di Verva – Passo di Verva
  • Dauer inklusive Pausen: 7 3/4 Stunden
  • Aufstieg: 500 HM – Abstieg 725 HM
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Von Eschenlohe über das Estergebirge nach Garmisch-Partenkirchen

Blick von der Hohe Kisten im Estergebirge zum KrottenkopfZwölf Stunden, vier Gipfel, 2.100 Höhenmeter – auf diese Variante beschränkten wir uns bei der Überquerung des Estergebirges von Nord nach Süd. Beschränken bedeutet, dass noch ein paar Gipfel mehr am Wegrand gewesen wären. Aus einer Vier-Gipfel-Tour, die es für uns war, könnten Berg-Freaks auch neun machen. Aber irgendwann ist es auch gut und die Blicke der meisten Leute, denen man danach von der Tour berichtet, bedeuteten eh: Habt Ihr eigentlich einen Knall?

Es ist eine großartige Überschreitung, die im Werdenfelser Land direkt vor unserer Haustür liegt. Wanderbücher empfehlen, sie auf zwei Tage aufzuteilen. Kann man schon machen, die wunderbare Weilheimer Hütte ist ideal für eine Nächtigung zur Halbzeit. Man hat viel mehr Zeit für alles, kann genießen und es gibt eine Menge zu schauen. A Traum…

In Eschenlohe geht es los und zuerst steigt man manchmal schattig ein paar Stunden lang hinauf zur Hohen Kisten. Erst durch das überraschend schöne Pustertal und auf den letzten Minuten öffnet sich plötzlich das Breitwandpanorama des Estergebirges. Oberes Michelfeld und Angerlboden nennt sich die Landschaft hier, eine entrückte Hochebene auf über 1.500 Metern (Foto oben).

Gemütlich läuft man weiter Richtung Weilheimer Hütte, den Krottenkopf immer im Blick. Dann die Frage, die sich wahrscheinlich die meisten stellen: Erst gemütliche Einkehr oder lieber doch hinauf zum Gipfel? Völlig wurscht, denn: In knapp 20 Minuten ist man oben am mit 2.086 Metern höchsten Punkt des Estergebirges und die guade Erbsensuppn, die gibt es auch noch, wenn man wieder zurück ist. Ein gemütliches Hütterl ist das, viel Komfort gibt es keinen, dafür nette Leut, wobei nicht viel los ist, dazu liegt die Weilheimer Hütte mit Minimum drei Stunden Zustieg, egal von woher man kommt, einfach etwas zu weit weg.

Weilheimer Hütte im Estergebirge

Nächster Gipfel: Der Bischof. Er gibt sich ein wenig tricky. Schön wäre es, wenn man ihn auf dem Weiterweg einfach überschreiten könnte. Aber ein markierter Weg von Norden ist nicht vorhanden und fragt man den freundlichen Wirt, so rät er vorbildlich davon ab, den vorhandenen Steigspuren vom Henneneck aus zu folgen. Recht ausgesetzt sei es, nicht schön. Zwei Buam (Buben), die wir trafen, winkten ab: Das gehe schon, meinten sie. Wir Schisser rutschten dagegen über den erstaunlich schmierigen Normalweg am Himmel über Oberau um den Bischof herum, um ihn dann von Süden steil aber einfach zu besteigen. Sieben Stunden waren wir jetzt unterwegs, da merkt man die Füße zum ersten Mal.

Auf dem Krottenkopf im Estergebirge

Schnell geht es vom Bischof hinüber zum Fricken. Sieht man auch auf dem Bild oben: Der Bischof ist direkt über Annas Kopf und der Fricken liegt eine Handbreit links daneben. Nur eine Stunde braucht man, um auf dem Gipfel Nummer 4 zu stehen. Und um zum ersten Mal das schöne Garmisch-Partenkirchen zu erblicken. Recht steil und ein wenig nervig geht es von hier hinunter, am Ochsenberg vorbei auf die Fahrstraße, die zur Esterbergalm führt.

Esterbergalm im Estergebirge

Wank oder nicht? Das war die letzte Frage an diesem Tag. Wir entschieden uns dagegen,  besuchten lieber die idyllisch (ab-)gelegene Esterbergalm. Hier gibt es ein verdientes Radler oder gleich ein Schnappserl gegen die penetranter werdenden Schmerzen in Knie und Schenkel. Eineinhalb Stunden dauert’s von hier nach Partenkirchen.

Das Fazit dieser sehr besonderen Tour: Es sind definitiv 2.100 Höhenmeter hinauf und wieder hinab. Nicht weniger. Das ist mehr als ordentlich an einem einzigen Tag. Zwei oder drei Mal packt einen deshalb unterwegs auch etwas die Unlust. Man sollte darum lieber auf der Weilheimer Hütte übernachten. Erstens ist es da schön, zweitens hat man mehr von der ganzen Überschreitung, drittens kann man den Wank dann auch noch gut packen und viertens haben sie das Klo irgendwann in den letzten zehn Jahren von vor der Hütte in die Hütte hinein verlegt, was sehr angenehm ist.

Vor Sommer ist die Tour nix. In höheren Passagen liegt noch Altschnee rum, der einen nervig behindern kann und die Tour zeitlich noch mehr verlängert. An einem schönen Septembertag wie heute ist sie dagegen einfach nur der reine Wahnsinn.

Einige handgestoppte Gehzeiten:

  • Eschenlohe – Hohe Kisten: 3 Stunden
  • Hohe Kisten – Weilheimer Hütte: 50 Minuten
  • Weilheimer Hütte – Krottenkopf: 20 Minuten
  • Weilheimer Hütte – Bischof (von Süden): 1 Stunde 40
  • Bischof – Hoher Fricken: 1 Stunde
  • Hoher Fricken – Esterbergalm: 1 Stunde 10
  • Esterbergalm – Partenkirchen: 1 Stunde 20

 

 

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Fernwanderung 2016: Vom Stilfser Joch zum Lago di Cancano (Tag 4)

Blick vom Piz Umbrail in die OrtlergruppeAm vierten Tag ging es raus aus Südtirol, hinüber ins echte Italien. Mit dem Aufbruch von der Tibethütte am Stilfser Joch ließen wir den Tourismus zu einem großen Teil hinter uns. Einzig ein paar versprengte Mountainbiker tauchten an diesem und am nächsten Tag  auf den Wegen auf, danach war auch damit Schluss. Die wunderschöne Lombardei war da.

In einer gemütlichen Stunde schlendert man hochalpin von der Jochhöhe auf ordentlichen Schweizer Wegen hinab zum Umbrailpass. Von hier geht es in eineinhalb Stunden zum Teil recht steil hinauf zum Piz Umbrail (3.033m). Wolken, Kälte und etwas Regen fingen uns dort ein. Kein prickelnder Platz an diesem Tag. Aber ein Dreitausender, mein Sechster. Immer wieder große Freude.

Auf dem Grenzkamm in knapp 3.000 Metern Höhe ging es schroffig weiter zur Punta di Rims. Bessere Sicht ließ die Laune steigen. Auf dem Foto steht Anna neben einer Befestigung aus dem ersten Weltkrieg. Von 1915 – 1917 verlief von hier bis hinunter zum Gardasee eine Front des Gebirgskrieges zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Verrostete Stacheldrähte, verfallene Unterkunftsbauten und zugewachsene Schützengräben zeugen bis heute davon. Im Hintergrund des Bildes die westlichen Ausläufer der Ortlergruppe und der Monte Christallo mit seinen Gletschern.

Etwa vier Stunden braucht man für den langen Abstieg zum Stausee Lago di Cancano. Unsere Unterkunft im Rifugio Monte Scale war die beste seit wir losgingen. Gastgeber Guido Cola und seine Frau sind die Liebenswürdigkeit in Person. Das Zimmer ging so, das Essen dafür sensationell. Unsere allerersten Pizzoccheri. Der kulinarische Aspekt des Fernwanderns, bislang völlig unterschätzt.

Die Tagesetappe im Überblick:

  • Mittwoch, 27. Juli 2016
  • Start: Tibethütte am Stilfser Joch, Südtirol (2.770m)
  • Ziel: Rifugio Monte Scale am Lago di Cancano, Lombardei (1.900m)
  • Wegverlauf: Umbrailpass – Piz Umbrail – Bocetta di Forcola – weiter über die Via Alpina – Solena – Lago di Cancano
  • Dauer inklusive Pausen: 9 Stunden
  • Aufstieg: 850 HM – Abstieg 1.650 HM
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